Gastfamilie Vol. dos: kommen mehr Infos oder wie? Nein, ich habe meine Gastfamilie gewechselt da es in der alten einige Probleme gab. Nicht zuletzt haben wir uns einfach nicht gut aufgenommen gefühlt (und es gab schon auch einige drastischere Vorkommnisse mit z.B. weggeschlossenem Essen) aber im Endeffekt hat sogar die Familie den ersten Schritt gemacht und VASE gesagt, dass sie eigentlich keine Freiwilligen haben wollen. Da VASE natürlich schon wusste dass wir uns nicht wohl fühlen wussten sie denke ich mal auch dass wir gegen einen Familienwechsel nichts einzuwenden hätten ;) so haben wir Mittwoch letzter Woche die Familie gewechselt und sind jetzt beide in einer neuen Gastfamilie, allerdings nicht mehr zusammen. Ich lebe jetzt in der Familie von Azalea, der Direktorin der Schule wo ich arbeite und ich fühle mich super wohl! Sie hat 2 Töchter, Berny (22) und Danny (20), vor allem mit Berny, mit der ich bis jetzt mehr zu tun gehabt habe verstehe ich mich sehr gut. Sie arbeitet bei VASE und ist auch Vegetarierin und geht nächstes Jahr als Volunteer nach Deutschland. Generell ist die Familie superherzlich und gastfreundlich und interessiert sich im Gegensatz zur anderen Familie wirklich für uns. Weiterhin werde ich natürlich mit Essen vollgestopft und da Berny ja auch Vegetarierin ist hat das auch für keine Verwirrung gesorgt, wie es hier öfters mal der Fall ist. Die Familie lebt in einer Gated Community (Cojunto Casales Buanaventura, wenn ihr so ein Karten- und Orientierungsinteressierter/ -versessener Mensch wie mein Papa seit könnt ihr das auch bei Google-Maps eingeben und findet das), sind aber keinesfalls so superreich wie meine vorherige Familie. Ich würde es eher als Mittelstand beschreiben - reich genug um keine alltäglichen Probleme wegen Geld zu haben, aber doch nicht so reich um alles bedenkenlos zu kaufen. Da fühl ich mich schon gleich viel wohler, auch wenn Geld natürlich nicht soo viel über die Familie aussagt. Was mich auch sehr freut, ist dass ich jetzt keine 1,5 Stunden pro Weg zum Projekt mehr brauche, sondern nur 10 min durch die Community laufe und dann höchstens 5 min im Bus sitze. Habe also täglich mindestens 2 Stunden gesprart. Das wiegt sich zwar ein bisschen auf da ich um nach Quito rein zu fahren doch etwas länger brauche (wir leben SEHR im Norden von Quito), aber diese längere Zeit nehme ich gern in Kauf :)
Das ist ein Beispiel für typisch Ecuadorianisches Essen - nur das das Fleisch (meistens Pollo) natürlich fehlt. Oben eine Suppe mit Kartoffeln, Nudeln, Käse (der in der Suppe weich wird un leicht schmilzt.. hmmmm), Blattspinat, Karotten und (mein erstes mal in dieser Familie) Koriander. Ohne den wäre die Ecuadorianische Küche echt unvollkommen - stört mich nicht, denn ich lieeeeebe Koriander und finde es sehr schade dass es den bei uns wegen einer Abneigung meines Vaters sehr selten gibt. Deswegen finde ich es auch sehr schade, hier in der Familie noch nicht so viel Koriander aufgetischt bekommen zu haben - Berny mag ihn nicht so gerne und meine Mama, die ihn auch liebt hat am Sonntag vergessen Koriander zu kaufen. Auf dem zweiten Bild seht ihr einen Salat aus Chuclos (ecuadorianischen Mais) rote Bohnen die Kidneybohnen ähnleln (oder vllt auch Kidneybohnen sind), Blattsalat, Kartoffeln, Tomaten, grünen Paprika und Karotten. Die schmecken hier übrigens auch etwas anders und vor allem besser - das erste Mal, dass ich Karotten in einem "Salat" mit Kartoffeln, Blumenkohl und Bechamelsauce bekommen habe, habe ich gefragt ob das Papayas sind, wegen der Farbe. War zwar auch unlogisch, aber das einzige woran ich denken konnte, obwohl es natürlich nicht nach Papaya geschmeckt hat. Der obligatorische Reis (normalerweise mindestens doppelt so viel) und noch ein Chuclo-Kolben kamen auch noch dazu. Da sieht man noch mal ganz gut, dass der Mais hier weiß und etwas größer ist. Es schmeckt schon auch nach Mais aber nur schwach und auch irgendwie anders, finde ich sehr schwer zu beschreiben. Die Portion ist übrigens nur so klein, da niemand da war und ich für mich alleine gegessen habe. Hat mir dann aber trotz Suppe vorher nicht gereicht (wie schnell man sich an die Riesenportionen gewöhnen kann) und ich habe mir noch mal nachgenommen und sogar etwas von dem Ecuadorianischen weißen, weichen, milden (also genau mein Geschmack) Käse drübergeschnitten. Der ist hier übrigens sehr oft aus Ziegenmilch, diese Version schmeckt mir noch mal um einiges besser als die Kuhmilchversion :) Dazu der Rest von einem Erdbeerbatida (Jugo ist mit Wasser, Batida mit Milch) den es zum Frühstück gab. Bis jetzt mein Favorit von allen superleckeren, frischen Säften!
Diese werden aus den Tonnen an Früchten, die es hier natürlich immer gibt hergestellt. Auf dem Bild seht ihr vllt ein Drittel an allem Obst und Gemüse, dass im Moment im Haus ist. Bananen, Äpfel, Mandarinen, Wassermelone, Ananas, Papaya und vorne eine Kochbanane (mein absoluter Favorit zum Frühstück und als Beilage), Baumtomaten und eine Avokado.
Das ist das Haus, in dem ich jetzt (hoffentlich wirklich) für den Rest des Jahres wohnen werde. Die Dächer hier in der Community sind aus Metall, dh beim Regen ist es sehr laut und man denkt es schüttet, dabei tröpfelt es nur ein bisschen.
Die Häuser auf der anderen Straßenseite finde ich eigentlich noch etwas süßer - das Altrosa harmoniert so schön kitschig mit dem Türkisgrün der Dächer und Türen ;)
Der Blick auf meine Straße - so in etwa sieht es in der ganzen Community aus (dass die sehr groß ist sollte euch ja schon aufgefallen sein, als ich meinte dass ich da jeden Tag 10 min durchlaufen muss :P ). Sehr sauber, sehr ruhig, sehr langweilig aber eben auch sicher. Da das ja nur mein Wohnort ist stört mich das aber nicht so sehr ;)
Vorne sieht man das Wohnzimmer, hinten das Esszimmer.
Rechts neben dem Esszimmer ist dann die Küche, auch mit Gasherd :) wie man sieht keine "Showküche" wie das bei der anderen Familie ja so ein bisschen der Fall war. Am Kühlschrank sind alles Gastfamilie von vorherigen Volunteers, ich finde es richtig schade, dass meine Gastgeschenke natürlich die andere Familie hat. Vor allem da ich einen schönen Schal in verschiedenen Blautönen und ein wunderschönes Miniportmonnaie am Anfang geschenkt bekommen habe!
Mein temporäres Zimmer (eigentlich das von Berny). Warum temporär? Seit heute sind nämlich 2 Kurzzeitfreiwillige auch in der Familie, die haben das eigentliche "Volunteer-Zimmer). Wenn die wieder weg sind, ziehe ich dann in das Riesen-Zimmer unterm Dach um. Das wird lustig und laut, aber auch sehr schön in der Regenzeit, denn ich mag dieses Geräusch.
Das ist das Zimmer unterm Dach, komplett kann ich das leider nicht aufs Foto kriegen. Also ist noch mal größer als es wirkt und hat rechts auch noch ein Schrägfenster, da werde ich wahrscheinlich das Bett drunterziehen ;)
Die anderen zwei Freiwilligen sind aber super nett und die erste Unterhaltung mit ihnen heute hat mir sehr gut gefallen. Ich denke wir werden für diese 3 bzw 6 Wochen gut miteinander auskommen, obwohl ich das Konzept von 3 Wochen Freiwilligendienst nicht so ganz verstehe, wenn man bedenkt dass ich schon 5,5 Wochen hier bin und die Zeit irgendwie wie im Flug verging.
Mit den beiden und mir leben jetzt im Moment 7 Frauen im Haus - bevor ich die kennengelernt habe hat die Mama vorhin mit mir auch gescherzt, dass wir eine Crew sind, die Amazonen :D Die eine der beiden ist auch Vegetarierin, also sind wir nur ein Tick unterrepräsentiert hier :P
Die "richtige" Arbeit im Projekt mit den Kindern seit 1,5 Wochen nun macht mir auch sehr viel Spaß, die Kinder sind einfach supersüß und am Freitag hat niemand mehr auch nur kurz geweint. Wir singen, tanzen, spielen, essen mit den Kindern, das alles hat aber schon auch lernerischen Hintergrund und ich denke, dass das Programm während dieses Jahres auch noch strikter und schulischer wird. Denn von einem Kindergarten kann nicht die Rede sein - die Kinder haben ihren festen Platz an Gruppentischen und die Lehrerin ist schon auch ziemlich streng - eiegntlich viel zu streng für meinen Geschmack. Eine Sache, die aber nicht nur an meiner Schule so war, hat mich im besonders gestört und in meinem Kopf ganz laut aufschreien lassen: Es ging darum, woran man erkennen kann, was ein niño und was eine niña ist. Die niñas haben lange Haare, Ohrringe, Haargummis und die niños alle kurze Haase und keine Ohrringe bzw Schmuck. AAAAHHRG!!! Das ist aber das relativ typische Bild hier in Ecuador, dass es allerdings 3-jährigen schon so formell beigebracht wurde fand ich wirklich erschreckend. Ich glaube allerdings nicht, dass es bringt deswegen mal mit der Lehrerin zu reden (geschweige denn davon, dass meine Spanischkenntnisse für so eine Diskussion auch nicht wirklich ausreichend sind). Ich denke ich werde versuchen, dass im persönlichen Gespräch mit den Kindern etwas geradezubiegen bzw in den älteren Klassen eine Englischstunde über dieses Thema zu machen. Mal sehen. Ich will natürlich nicht das Konzept der Schule ändern, aber dass in den Kinderköpfen so stehen zu lassen behagt mir ganz und gar nicht. In solchen Momenten bedauer ich sehr meine Ohrringe und langen Dreads zu haben, auch wenn die natürlich auch nicht dem "normalen" Schönheitsideal entsprechen. Ohne wäre das aber bestimmt einfacher zu erklären :P Ich war auch schon in ein paar mehr Klassen als Vertrungslehrerin und muss sagen, dass mir dass sogar besser gefällt als mit den (natürlich supersüßen) 3-jährigen, denn da ist es zwar süß aber nicht wirklich fordernd, da ich natürlich auch nicht allein mit denen bin. Und spätestens nachdem ich das 20 Mal einem Kind den Hintern abgewischt habe bin ich auch etwas genervt von denen. Deswegen freue ich mich auch in 2,5 Wochen dann mit dem richtigen Unterricht bei den älteren anzufangen und hoffe, auch öfters mit einer Klasse alleingelassen zu werden. Denn irgendwie finde ich nur danebensitzen und ein bisschen helfen etwas langweilig. Das Projekt ist allerdings mit meiner Arbeit sehr zufrieden, mir wurde heute gesagt ich sei fleißig und leiste gute Arbeit. Ich denke da werden sie auch nichts dagegen haben wenn ich etwas später auch noch mehr Arbeit übernehmen will ;)
Mal wieder ein sehr erfrischend geschriebener Beitrag mit vielen Infos und Erfahrungen. Hat mir sehr gut gefallen!!!
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Ja, und ich habe auch schon in Google Earth/Bing-sattelitenfotos gesehen, wo Deine Schule ist ...
P.S.: Die Farbe der Haustüren passen sehr gut zum Blog ;-)