Wie schon erzählt war ich letztes Wochenende auf meinem ersten Wochenendtrip hier in Ecuador in Quilotoa, einer Lagune in einem Vulkankrater. Wie ich ausgerechnet auf Quilotoa als meinen ersten Trip komme und nicht auf das (übrigens Ziel der meisten für ihren ersten Trip) nur wenig entfernte Mindo oder nach Otavallo oder so? Ganz einfach, mein supercooler Mentor Manu hat mich eingeladen auf den Trip mit seinen Freunden mitzukommen. Außer 6 seiner Freunde war auch noch ein weiterer Freiwilliger, Ferdi der inzwischen in Ambato wohnt und arbeitet mit dabei, insgesamt waren wir also 9 Leute. Schon allein der Weg hin, den ich mit Manu, Byron und Andrea bestritten habe war ein Abenteuer (und viel länger als geplant) für sich. Zuerst einmal habe ich mich mit Manu an der Estacion Rio Coca getroffen um von dort aus 2 verschiedene Busse nach Quitumbe, dem größten Busterminal weit im Süden von Quito zu nehmen, das hat schon mal eine Stunde gedauert (1,5 da Manu eine halbe Stunde zu spät kam. Sehr pünktlich nach Ecuadorianischer Zeitrechnung. Ich war natürlich mit meiner von meiner Mama übernommen Überpünktlichkeit 10 min zu früh da - obwohl ich noch beim 5 min entfernten Bäcker war :P) Dort sind wir dann - nach weiterer Wartezeit - auf Byron und Andrea gestoßen und haben alles außer unserer Rucksäcke (Schlafsäcke, Zelte, Manu's Gitarre ect.) in das Auto weiterer Freunde geladen. Dann gings in den Bus 1,5 Stunden über die Panamerikana nach Latacunga (wo wir uns eigentlich mit Ferdi treffen wollten, der dann aber doch mit den Freunden im Auto mitgenommen wurde. Da Byron meinte, es sei lustiger und abenteurlicher wenn wir den Rest des Weges trampen würden, haben wir uns gegen den weiteren Bus entschieden und sind die Straße Richtung Puchilí gelaufen und haben fleißig den Daumen rausgestreckt wenn ein Truck kam (da wir zu viert waren gab es natürlich nur die Möglichkeit auf der Ladefläche mitzufahren, sonst gibt es ja kein Auto das noch 4 freie Plätze hat). Nach ungefähr 15 min hatten wir Glück und ein Truck hat uns nach Pujilí mitgenommen, ein ca. 10 Kilometer entferntes Städtchen auf dessen Markt wir noch Früchte, Wasser und selbstgebrannten Rum ("Purro") gekauft haben.
 |
| Auf dem 1. Truck (von links nach rechts) Byron, Manu und Andrea |
 |
| Auch auf dem 1. Truck, diesmal noch mit mir auf dem Foto ;) |
 |
| Der Markt in Pujilí - mein erster Markt in Ecuador! Wenn man genau hinschaut kann man Kochbanaen, Baumtomaten und auch Sternfrüchte (sowie natürlich vieeeeeeeele mehr) erkennen. Vorne links die Indigena-Frau bei der wir dann auch Früchte gekauft haben :) |
Dann ging das Daumen-Rausstrecken weiter. Diesmal hatten wir etwas schneller Glück und fanden einen Bauern oder so der uns auf der (nach dem Verschmutzungsgrad zu urteilen sonst eher für Erde oder Heu bestimmten) Ladefläche mitgenommen hat, allerdings nur einen Teil der Strecke. Dann ist er von der Straße auf das Feld abgebogen und wir waren mitten im Nirgendwo. Dort hat allerdings schon nach ca. 1 min ein weiterer Truck angehalten, der uns dann bis nach Zumbahuha (?) mitgenommen hat, das letzte kleine Dorf ca. 15 km von Quilotoa enfernt. Das Trampen war super lustig, mein erstes Mal (alleine als Frau und vor allem als Gringa kann man das ja nicht machen...). Wir haben gesungen, Beatles, Peppers und viiiiiiele Spanische Lieder. Allerdings konnte ich mir nur den Text von einem Lied merken, da ich das schon mit den Freunden von Inas Gastbruder gesungen hatte. Yo no quiero trabajar, no quiero estudiar, no me quiero cansaaaaar :D (Ich will nicht arbeiten, ich will nicht lernen, ich will mich nicht langweilen). Die anderen haben auch schon angefangen den Selbstgebrannten zu trinken, der war mir aber eindeutig zu ekelhaft :P Bier wäre mir lieber gewesen... Auf dem zweiten Ruck mit abgeschlossener Ladefläche haben wir auch Stehen ohne Festhalten gespielt und ich habe trotz der Kurvigen und holprigen Straße eindeutig gewonne, wahrscheinlich da ich das als Kind in den Bussen und Bahnen auch immer gespielt habe ;)Von Zumbahuha aus wollten wir natürlich einen weiteren Truck anhalten - es haben auch viele gehalten aber die wollten alle ziemlich viel Geld pro Person (ziemlich viel Geld für Ecuadorianische Verhältnisse eher... mit der Aussicht auf 15 km laufen hätte ich die 3 Dollar die sie pro Person verlangt haben auch bezahlt :P ). Nach ca dem 20. Versuch und 4 gelaufenen Kilometern haben uns aber ein paar Indigene Frauen, die den letzten Versuch mitbekommen haben, mitgenommen :) Insgesamt sind wir also mit 3 Bussen und 4 verschiedenen Trucks gefahren :D
 |
| Auf dem Truck Nr. 2 |
 |
| Blick aus dem Truck Nr. 3 |
 |
| Und auf dem Truck Nr. 4 :D |
Dann sind wir endlich am Kraterrand angekommen, wo wir dann auch auf die anderen und unser restliches Gepäck gestoßen sind. Der Blick auf die Lagune war, obwohl es sogar eher wolking (und seeeeeeeehr windig) war atemberaubend. Das Wasser schimmert in Tönen von Dunkelblau bis Türkis und mit jedem Windstoß verändert sich die Schattierung. Die Fotos werden dem eigentlichen Ausblick absolut nicht gerecht, die Google Bilder, die photoshopped aussehen wenn man die Lagune nicht kennt schon viel eher! Der Abstieg zur Lagune auf dem Staubweg ging relativ schnell (dreiviertel Stunde in meinem Tempo, 10 min wenn man runtergerannt ist wie die meisten :P), man ist nur ein paar mal ausgerutscht und hingefallen. War einfach ziemlich steil und sandig/staubig ist. Um halb 5/5 waren wir dann unten an der Lagune angekommen (man bedenkt, dass wir um 8 bei Rio Coca verabredet waren und man laut Manu 3-4 Stunden dahin braucht). Dann hieß es erst mal Feuerholz sammeln (ein eher schwieriges Unterfangen da mangelnder Bäume) und Zelte aufbauen. Insgesamt hatten wir 3 relativ kleine Zelte. Das 4. (und größte) rote Zelt, dass ihr auf dem Foto sehen könnt, gehörte 4 Mädels die Byron eingeladen hatte doch mit uns zu zelten.
 |
| Endlich angekommen - der Blick auf die Lagune :) |
 |
| Unsere Zelte und die Feuerstelle - Links das Zelt der Mädels, ganz rechts das Zelt in dem wir zu 4. (Andrea, Ferdi, Manu und ich) geschlafen haben |
Nachdem dies erledigt wurde (und es dann auch ziemlich schnell dunkel war) wurde das Feuer angemacht, der Rum heißgemacht und mit Limone verfeinert (Canelazos (heißer Rum mit Saft) für Leute die keinen Saft mitschleppen wollten) - immer noch zu ekelhaft für meine Zunge! Später wurden auch YumYums gekocht, die Mädels hatten auch ein riesiges Fleischangebot und Marshmallows dabei, beides nichts für mich als Vegetarierin. Hungern musste ich trotzdem nicht :D Da ja auch schon früh angefangen wurde zu trinken waren alle auch schon so um 9 betrunken, wo es dann langsam etwas nervig für mich wurde - mich nerven sehr betrunkene Leute immer, und wenn ich relativ nüchtern dabei bin noch mehr :P. Die Begründung war meistens, dass sie gegen die Kälte trinken würden. Ist halt leider nur eine Illusion :P Da war ich mit meiner Leggins und 2 Hippiehosen, meinem Top, dünnem Pulli, FLießpullie und Winterjacke, auch mit FLieß drinne wohl schon besser dran - Schweinekalt war mir allerdings immer noch. Vor allem da es so windig war, dass uns manchmal fast die Zelte weggeflogen wären, hätten wir uns nicht in letzter Sekunde draufgeschmissen (wir hatten leider ein paar Heringe zu wenig dabei... 4 insgesamt um genau zu sein :P) Um halb 10 sind allerdings alle in die Zelte gekrochen, also musste ich die "Betrunkenen" nicht allzu lange aushalten.
 |
| Der Sonnenuntergang mit fast Vollmond |
Viel Schlaf haben wir allerdings trotzdem nicht gekriegt - zu 4. im Zelt dass schon für 3 Leute sehr eng gewesen wäre (umdrehen war eigentlich nicht möglich), ohne Isomatte (blauer Fleck am Hüftknochen, juhuuu) und ohne funktionierenden Reisverschluss in der Kälte. Da Ferdi und ich auch sehr groß für Ecuatorianische Verhältnisse sind hingen zudem unsere Füße aus dem Zelt :P Aber irgendwie gehört wenig Schlaf zu so einen Trip, vor allem wenn man campt ja auch dazu. Am nächsten Morgen wurden Früchte und Cracker gefrühstückt, Manu und Byron sind im See schwimmen gegangen (wär mir zu kalt gewesen) und dann wurden langsam auch die Zelte wieder eingepackt. Dann kam der unangenehmste Teil des Ausfluges - den Berg wieder hochzusteigen. Ich habe es aber entgegen meiner Erwartungen sogar ganz gut geschafft. Klar war ich langsam aber sogar erstaunlicherweise nicht die Langsamste. Sam, einer Manus Freundinnen hat sich auf halber Strecke einen Esel genommen (die den Staub sehr unangenehm aufgewirbelt haben), die einen für 8 Dollar die ganze Strecke den Berg hochtragen. Mit dem Gedanken habe ich vorher auch gespielt, bin aber sehr froh es auch ohne geschafft zu haben und mir das Geld gespart zu haben - vor allem da das die Kosten für den Trip fast verdoppelt hätte. Ja, der ganzen Trip inklusive Fahrt, Essen und Eintritt in den Nationalpark (?) habt nicht mehr als 10 Dollar gekostet, sehr erstaunlich meiner Meinung nach!
 |
| Der Blick von oben nach dem Aufstieg - am zweiten Tag war mehr Sonne (weswegen ich mir auch meinen ersten kleinen Sonnenbrand geholt habe - Quilotoa liegt eben noch mal 1000m höher als Quito). Trotzdem müsst ihr Quilotoa mal googeln und euch Bilder anschauen. Nein, die sind höchstwahrscheinlich nicht photoshopped, sondern einfach mit einer Besseren Kamera aufgenommen so sieht es nämlich wirklich aus. Als ich das vor dem Trip mal gegoogelt habe konnte ich mir das auch nicht vorstellen... |
Zurück wurde ich dann von Luis und Sam zum Glück im Auto mitgenommen (das haben Byron und Manu entschieden, habe mich aber natürlich nicht dagegen gewehrt :P) und kam dann um halb 8 zu Hause an, wo ich nach einer blitzscnellen Dusche todmüde ins Bett gefallen bin ;)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen