Montag, 25. August 2014

Spanischkurs, Pequeño Otavalo, Mitad del Mundo, Musik, Transport/Verkehr ect.

Der Cotopaxi in der Abendsonne (und ein Vogel). Leider kommt es auf dem Bild nicht so schön gelb strahlend rüber wie es eigentlich war!
 
 Und weiter geht es mit den Berichten aus Ecuador. Inzwischen habe ich mich an alles ziemlich gewöhnt und zumindest so Sachen wie Busfahren sind schon zur Normalität geworden. Ich muss ja auch jeden Morgen erst einmal einen Truck nehmen muss, um zur Bushaltestelle zu laufen. Das sind dann wirklich so "überdachte" Pick-up-Trucks, die dann die Leute auf dem Weg einsammeln. Eigentlich soll man ja keine unregistrierten Taxis nehmen, aber in meinem Viertel ist das kein Problem. Reich heißt eben meistens auch sicher (jedenfalls hier). Die Alternative wären 30 min laufen (5-10 Minuten einen seeehr steilen Berg) oder eben ein Taxi, was dann aber 4 mal so teuer wäre (zwar immer noch nur ein Dollar, aber ob man jeden Tag insgesamt 2 Dollar oder 50 Cent bezahlt summiert sich dann eben doch). Dann nehmen wir einen der grünen Busse, die in Richtung Quito fahren, der fährt je nach Verkehr mindestens 10 min. Nach weiteren 10 Minuten laufen sind wir in der Schule angekommen, wo auch das Vorbereitungsseminar war, denn dort ist auch der Spanischkurs. Wenn man dann weiter in die Stadt will, nimmt man den Ecovia, ein Bus mit einer eigenen Fahrspur, damit er nicht im Stau stehen muss. Zur Hauptverkehrszeit muss man sich manchmal echt von den schließenden Türen in den Bus quetschen lassen und trotzdem manchmal zu 6. 3 verschiedene Ecovias nehmen. Da diese allerdings alle 1-5 Minuten kommen ist das dann aber auch kein Problem! Übrigens kommen alle Busse so oft aber ohne festen Fahrplan, dies wäre bei dem Verkehr hier auch gar nicht möglich. Es kommt auch öfters vor, dass Busse, die auf der gleichen Strecke fahren sich überholen (eher bei den Bussen nach Miravalle, da ist eine Landstraße(?) und weniger Stau). Den Bus zu bekommen der als erstes losfährt heißt also nicht unbedingt, dass man als erstes ankommt (außer bei den Ecovia). Unser Gastbruder hat uns auch erzählt, dass es jetzt eine neue Regelung gibt, die versucht den Verkehr zu reduzieren. Je nachdem, welche Zahl als letztes auf dem Nummernschild steht, darf man an einem Tag der Woche nicht mehr nach 4 in Quito fahren. Laut Demian funktioniert das aber nicht, da die Leute sich einfach ein zweites Auto kaufen (und es damit natürlich eher schlimmer machen). Auch der Fahrstil ist, wie soll ich sagen, auf jeden Fall rasanter als ich es gewohnt bin. Von rechts überholen, nicht blinken, vor der roten Ampel noch mal Gas geben und gefühlt einen Meter vorher bremsen ist alles nicht unüblich. Sonst kommt man aber wenn es so voll ist wahrscheinlich einfach nicht vorran. Und trotzdem habe ich bis jetzt nur einen Unfall, der aber glimpflich und ohne ernsthafte Verletzungen ausgegangen ist miterlebt (keine Angst, ich war nicht involviert, sondern habe es nur gesehen).

 Neues Thema: Wie zu erwarten bin ich im Basic-Spanischkurs - ich konnte ja auch vorher gar nichts :P Das hat sich in den 5 Tagen Unterricht die ich bis jetzt hatte (Freitag ist immer ein Ausflug mit VASE anstatt Kurs) schon ein bisschen geändert! Richtige Gespräche über alles mögliche fallen mir zwar immer noch schwer (bzw sind eher unmöglich), aber ich kann schon auf Fragen antworten, kleine Texte (zB über meine Familie) schreiben, viele Adjektive und Verben (sogar unregelmäßige!) ect. Was es schwer macht ist vor allem das wir uns bis jetzt nur in Gegenwart verständigen können, Vergangenheitsform hatten wir noch nicht. Natürlich ist der Unterricht auch ziemlich anstrengend, aber unsere Lehrerin bemüht sich sehr ihn angenehm zu gestalten (heute hat sie zB Witze und Rätsel, ähnlich wie Black Stories erzählt, wir müssen Bilder beschreiben, heute als Hausaufgabe kleine Theaterstücke in Dialogform vorbereiten) und er ist sehr gut strukturiert, was das Folgen und Merken einfacher macht. Ich finde die Basics bis jetzt echt nicht schwer, sich nur alle (sehr viele!) neue Vokabeln auch zu merken ist eher das Problem.
Am Dienstag bin ich mit Neele, Max, Brad (aus den USA) und Laura (aus Finnland) nach Pequeño Otavala (klein-Otavalo), einem Markt für Touris wo wie in Otavalo viele indigene Sachen (vor allem Klamotten) verkauft werden. Obwohl es natürlich echt ein Touri-Angebot ist, war es zu Glück gar nicht voll und man konnte sich die Sachen relativ entspannt anschauen. Ich habe mir einen tollen (sehr farbenfrohen) Alpaca-Pulli gekauft - leider immer noch zu teuer, obwohl ich ihn von 22 auf 15 Dollar runterhandeln konnte (eigentlich soll man immer mindestens die Hälfte erreichen...). Die 15 Dollar waren's mir dann aber wert, da er sogar an den Armen gerade so gepasst hat. Generell sind Klamotten hier ein Thema in meiner Größe. Ich hatte mal in nem Laden nach einer weiteren Jeans geschaut - die größte Größe war viel zu weit aber immer noch zu kurz :P

Am Freitag waren wir mit VASE bei Mitad del Mundo, der Mitte der Welt. Nicht beim Monument (das ist nämlich 240 m entfernt von der wirklichen Mitte), sondern bei einem Museum an der wirklichen Mitte, das sich auch über indigene Kulturen beschäftigt hat und woher sie wussten, dass sie hier in der Mitte der Welt sein müssen.
Das sind Johanna und ich - sie auf der Nordhalbkugel und ich auf der Südhalbkugel ;)
Eins der Experimente (von speziellen Sonnenuhren abgesehen) war, wie das Wasser abfließt (genau auf dem Äquator bildet sich nämlich kein Strudel!). Um mir die Schreibarbeit (und dem Internet die Arbeit meine Videos hochzuladen) zu ersparen, habe ich euch ein Youtube-Video von dem exakten Experiment rausgesucht.
 
Genau in der Mitte kann man auch (mit etwas Geduld) ein Ei auf einem Nagel balancieren lassen.

Wie man hier sieht hat Neele es geschafft! (Ich nicht :P)
 

 
 Eine Anakonda, ein gutes Omen bei den Wuaorani (eine Indigena-Gruppe des Amazonasgebiets.) Eine weiterere indigene Gruppe macht Schrumpfköpfe, früher noch von Menschen, heute nur noch von Tieren(wie zB Faultieren). Davon habe ich leider kein gutes Foto machen können (aber so schön sieht es echt nicht aus!). Bei einer weiter Gruppe werden Tote immer in Fötus-Position vergraben, da Panchamama (Mutter Erde) sie so im  Kreislauf des Lebens weiterleiten kann. Deswegen werden dem Toten auch Grabbeigaben mitgegeben. Stirbt allerdings der Hauptmann, müssen seine Frau und Kinder ihn begleiten. Diese müssen dann etwas aus der Echinopsis-Kaktee trinken, nein kein Gift, sondern Mescalin (ein starkes Hallizunogen). Davon bekommen sie Halluzinationen und kriegen nichts mehr von den Unwelt mit (bzw werden manchmal bewusstlos) und werden dann lebendig begraben (und sterben wohl ohne was davon mitzubekommen).
Ein Bein auf der Südhalbkugel und ein Bein auf der Nordhalbkugel ;)

Danach waren wir noch mit allen Freiwilligen was in einem Restaurant in der Nähe essen - das war die Vegetarische Platte Nummer 1 (ein Wunder, 2 vegetarische Platten!!). Im Hintergrund sieht man noch klein den dunkelroten Mora-Saft - sehr lecker, wie eigentlich alle Säfte hier! Selbst Ananassaft (den ich aus der Tüte gar nicht leiden kann) ist superlecker. Klar, das es einen Unterschied macht ob der frisch oder nicht ist Generell ist Vegetarisch essen zwar unüblich aber kein großes Problem!
 
An dem Abend war auch die standesamtliche Hochzeit von meiner Gastschwester. Wir hatten mit der Familie ausgemacht, dass es kein Problem ist die formelle Zeremonie wegen Mitad del Mundo zu verpassen (sonst wären wir auch nicht mitgekommen, dahin wären wir bestimmt noch mal gekommen..), wir danach nach Hause fahren, uns dann umziehen und uns dann melden. Als wir fertig waren hies es dann, sie fangen gerade an zu essen, essen aber locker noch 2 Stunden, wir sollen also ruhig kommen. Hat mir gefreut, denn ich hatte auch da schon ganz schon Hunger. Also haben wir die 7 Dollar für ein Taxi bezahlt (mit unseren Mittelschicken Kleidern, für meine Verhältnisse eher schon overdressed) wollten wir nämlich keinen Bus fahren, außerdem hätte es noch viel länger gedauert. Als wir dann ca. eine Dreiviertelstunde später ankamen, waren sie gerade fertig mit Essen und wir sind in die Altstadt gefahren um Hochzeitsfotos zu machen. (Von allem wussten wir natürlich vorher nichts). Es war natürlich schon dunkel und deswegen auch ziemlich kalt - vor allem in nur einem Kleid, einer Feinstrumpfhose und einem Cardigan. Da die Fotos dann auch noch 2 Stunden gedauert haben, war Johanna und mir am Ende schweinekalt, Gänsehaut am ganzen Körper und gezittert haben wir auch. Mir war außerdem auch schon richtig schlecht vor Hunger. Als wir danach noch in ein Restaurant gegangen sind (eigentlich nur für Getränke und ein paar Kleinigkeiten) durften wir uns dann aber natürlich noch was richtiges bestellen. (Da mir aber schon so schlecht war habe ich nur eine Kartoffelsuppe runterbekommen). Auch wurde mir während der gesamten Zeit im Restaurant und auch auf der Fahrt nach Hause nicht wieder warm. Erst wieder im Bett mit zusätzlicher Fließdecke und Heizung wurde es wieder warm ;)
 
Zu der Musik hier kann man sagen, dass mich vor allem die Musik in der Gastfamilie ziemlich nervt. Typische Mainstream-Clubmucke eben. Gestern Abend war ich aber mit meinem Mentor auf einem Konzert (Full Folk hieß es, eher ein Festival und auch kostenlos), wo vor allem mir die zweite Band die wir gehört haben gut gefallen hat. Novalima hießen sie (aus Peru) und laut Manu (meinem Mentor) haben sie einen Mix aus Latino-Musik und Reggae gespielt. Ganz egal wie genau man es nennt- die Stimmung war auf jeden Fall super und die Musik hat einen direkt in Tanzlaune gebracht!
 
Das wars mal wieder für letzte Woche!
Jana

2 Kommentare:

  1. Hallo Jana,
    das Vulkanbild erinnert mich an Alexander von Humboldts Beschäftigung mit Vulkanen auf seiner Südamerika Reise. Er hat die Häufung der Vulkane in Ecuador die "Allee der Vulkane" genannt und seine (Teil-) Besteigung des Chimborazo (bis auf knapp 6000 m Höhe) blieb für viele Jahrzehnte ein Höhenweltrekord. Humboldt war wohl stolz auf die Besteigung, denn er bestand darauf, bei einem Porträt im Alter von 90 Jahren (was dann sein letztes war), dass der Chimborazzo im Hintergrund abgebildet werden sollte.
    Liebe Grüße,
    Paps
    P.S.: Höhenweltrekord -> für Europäer?? Ob wohl Indigenas da rauf gelaufen sind? Vielleicht eher nicht, da es wohl Berge der Götter waren?

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  2. Chucks sind wohl auf der Süd- sowie Nordhalbkugel sehr beliebt. :) Liebe Grüße Mama

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